1532 – Gewachsene Kulturgeschichte

Wein gehört schon seit dem Mittelalter zum Ustermer Kulturgut. Bereits 1532 wurden erstmals Reben als «räbwerk nit kinder- noch wiberwerk» – sondern als Männerarbeit zu betrachtende Tätigkeit– im Blindenholz erwähnt. 1886 betrug die Rebfläche von Uster 44,69 Hektaren. 1960 sind im Rebkataster noch 0,05 Hektaren ausgewiesen, 1970 gar keine mehr. Rebkrankheiten, die Konkurrenz fremder Weine, die Industrialisierung und die zunehmende Bautätigkeit an den beliebten Südlagen führten zu einem raschen Niedergang der einheimischen Reben.

Das Wiederaufleben des Ustermer Weins

Seit 1979 lebt der Weinbau in Uster auf dem Stauberberg wieder auf. 1977 schenkte die Gemeinde des benachbarten Stäfa den Ustermern zur 1200-Jahr-Feier – quasi als letzten Anstoss – 4200 Rebensetzlinge, um den Rebbau am Stauberberg der Heusser-Staub-Stiftung der Stadt Uster zu reaktivieren. Dank der vorbildlichen Pflege des Pächters, Heinrich Heusser (nicht verwandt oder verschwägert mit den Stiftungsgründern) aus Nossikon, und der Unterstützung der 1979 gegründeten «Rebzunft Uster» gedeihen seither die Ustermer RieslingXSylvanertrauben prächtig und liefern einen vorzüglichen Wein.

1532    Im Blindenholz werden zu ersten Mal Reben erwähnt.
1660    Auf einem Reinli beim Dorf werden die ersten fünf Juchart* Reben gepflanzt.
1678    Auf dem Zehntenplan erscheint der Burghügel gegen Süden mit Reben bepflanzt.
1775    Das gesamte Rebareal misst 41,5 Juchart.
1801    Im Rebkataster sind 68 Juchart Rebfläche (ca. 20 Hektaren) aufgeführt.
1886    Im Rebkataster stehen noch 44,69 Hektaren Rebfläche. Ertrag: 1920 Hektoliter.
1915    Die Rebfläche wurde auf 4 Hektaren reduziert. Ertrag: 365 Hektoliter.
1960    Im Rebkataster sind noch 0,05 Hektaren Rebfläche ausgewiesen. Ertrag: keine Angaben.
1970    Die Ustermer Reben fehlen im Rebkataster.
1978    4200 RieslingXSylvaner-Setzlinge werden am Stauberberg gesetzt

Rebbau in Uster
Im Kanton Zürich gab es nur 23 Gemeinden, die überhaupt keinen Rebbau betrieben.

In Uster war der wirtschaftliche Faktor des Weinbaus beträchtlich. Im Jahre 1532 wurden erstmals Reben im Blindenholz erwähnt. Und es war zu erfahren, dass man ihrer Pflege grosse Aufmerksamkeit widmete. Man war damals der Auffassung, dass das räbwerk nid kinder- noch wiberwerck sei, sondern Männerarbeit. Als Vorbild galt der Rebbau am Zürichsee. Dort erlernten die Arbeiter, die man beizog, das Rebwerk. Auf dem Zehntenplan von 1678 erscheint der Burghügel gegen Süden mit Reben bepflanzt, und an der Buchhalde sind die Nossiker Reben eingetragen. Das dürften die ältesten Standorte sein. 1791 schrieb ein englischer Besucher von Uster, das Schloss stehe auf einem hohen Felsen, der bis an den Gipfel mit Weinstöcken bepflanzt sei.

In Uster hat man im 17. Jahrhundert den Ausbau ausgeweitet. In Niederuster wurden um 1660 auf einem Reinli  beim Dorf die ersten fünf Juchart Reben gepflanzt, und etwas später haben drei Bauern noch eine weitere Juchart eingeschlagen. Dem Gewächs wurde das Zeugnis ausgestellt, dass es ein ziemlich feiner Wein sei.

Die Zürcher Obrigkeit erkannte aber die Gefahren einer planlosen Ausweitung, die mit schweren Rückschlägen zu rechnen hatte, sei es durch ausländische Konkurrenten oder infolge klimatischer Ungunst. Sie bekämpfte daher besonders im 18. Jahrhundert den Neueinschlag von Reben durch Verbote. Von den 14 Juchart in Kirchuster gab man drei Parzellen auf. Die Nossiker Reben erlitten um 1700 ebenfalls einen Rückgang.

Eine Angabe über das gesamte Rebareal besitzen wir erst aus dem Jahre 1775. Es betrug damals 41,5 Juchart und der Ertrag davon waren etwa 400 Saum.

In dieser Zeit vermehrten sich die Versuche, trotz des Verbotes der Regierung neue Reben zu pflanzen. Dazu wählte man ausser Aeckern vor allem schlechtes Land, wie gereutete Borde, die man einzig für Reben geeignet fand. Da aber auch jetzt wieder Rodungen vorgenommen wurden, stellte der Landvogt 1779 in seinem Bericht an den Bürgermeister fest, dass innerhalb eines Menschenalters die Reben doch eher ab- als zugenommen hätten. Für die folgenden zwei Jahrzehnte traf dies wieder nicht zu, wurden doch 1801 in der Katasteraufnahme 68 Juchart Reben (20 ha) eingetragen. Davon lagen 26 Juchart in Kirchuster, 11 bzw. 10 Juchart in Ober- und Niederuster; selbst in Freudwil gab es einige Juchart Reben, einzig in Sulzbach fehlten sie ganz.

Der Rebbau wurde auch im  19. Jahrhundert ganz bedeutend gesteigert. Die rund 20 Hektar Reben vom Anfang des 19. Jahrhunderts waren bis in die achtziger Jahre mehr als verdoppelt worden. Allerdings nannten die meisten der 332 Rebbesitzer nur sehr bescheidene Parzellen ihr Eigen.

Auszug aus dem Rebkataster

1886 betrug die Rebfläche von Uster 44,69 ha. Es wurden im selben Jahr 1920 hl von 312 Rebbesitzern gekeltert.
1915 betrug die Rebfläche noch 4 ha, die Erntemenge 365 hl, und die Zahl der Rebbesitzer war auf 63 zurückgegangen.
1960 im Rebkataster sind noch 0,05 ha ausgewiesen und der einzige Besitzer nannte keine Erntemenge mehr.
1970 die Ustermer Reben fehlen im Rebkataster.


Gründe des Rückganges

Durch das Auftreten der Rebkrankeiten und der Konkurrenz fremder Weine setzte ein sehr rascher Niedergang ein. Dazu kam auch, dass Südlagen ein sehr begehrtes Baugebiet waren.

1977 – Neuaufbau des Ustermer Rebberges

1977 Das Gelände am Staufferberg ist vorbereitet zum Setzen der Stickel und der Reben.
1977 4200 RieslingXSylvaner-Setzlinge werden am Stauberberg gepflanzt.

1978 – Den ersten «Ustermer» frassen die Vögel 

hje. Vor 100 Jahren räumte man am Schlossberg zu Uster  die letzten Rebstöcke und Stickel ab: die Reblaus hatte alle Pflanzen angefressen und vernichtet. Seit zwei Jahren gedeihen aber an diesem exponierten Sonnenhang wieder 4200 Stöcke. Unter der liebevollen Pflege von Landwirt Heusser und seiner Frau wuchsen die Schösslinge prächtig heran, und heuer liess eine strahlende Herbstsonne die RieslingXSilvaner-Trauben schön ausreifen. Klar, dass die ersten Hektoliter „Ustermer“ von Winzerin, Kelterer und anderen Weinfreunden mit grosser Spannung erwartet wurden. Bereits war auch eine standesgemässe Bekleidung für den Stammhalter herrschaftlichen Geblüts kreiert: eine rot-goldene Etikette und als Kragen der geburtsurkundliche Vermerk „Ustermer Schloss-Wein 1978“. Doch der nach hundert Jahren erste Ustermer Wümmet konnte nicht stattfinden, eines Tages hatten die Vögel alle Beeren gefressen. Die Etikette wird man hoffentlich im nächsten Jahr brauchen können……. Solches schrieb der Korrespondent des Tages-Anzeigers am 26. Oktober 1978, nachdem er auf Umwegen in den Besitz der bereits gedruckten Etikette gekommen war.

Der rührige Journalist war sehr bemüht, über die erste Weinlese am Stauberberg zu berichten. Aus diesem Grund fragte er beim Pächter nach dem Datum der Wümmet. Weil aber so ein Datum nicht zum voraus festgelegt werden kann, wurde der Jünger der Federzunft um Geduld gebeten.

Nachdem an einem Wochentag Anfang September der Rebberg Besuch durch Sachverständige Leute aus Hallau, Winterthur, Stäfa und Wädenswil erlebte, welche sich um den Zustand der Reben interessierten, kam am nächsten Tag ein anderer Besuch: aus heiterem Himmel angeflogen galt sein Interesse jedoch nur den reifen Trauben!

Amseln und Stare freuten sich noch mehr als die Sachverständigen vom Vortag. Die Qualität muss ausgezeichnet gewesen sein – übrig blieben ein paar noch unreife Beeren. Der Journalist erhielt auf seine neuerliche Anfrage den guten Rat, seinen Bericht aus Uster um ein Jahr zu verschieben.

So gab es natürlich – wie könnte es anders sein –   Besserwisser, Leute, die meinten, das sei ja nun wirklich die Höhe. Der Heiri Hüsser chunt ja nöd drus… Doch wie hätte es sich denn gelohnt, wegen 500 kg Trauben Netze zu spannen? Das verschwieg der Schreiberling.

Aber es drängte sich auch die Frage auf, wo denn jene Ustermer geblieben seien, welche seinerzeit versprochen hatten beim Rebwerch mitzuhelfen? So war diese Zeitungsnotiz ein Signal – ja ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass etwas unternommen werden sollte. In welcher Form könnte etwas getan werden?

1980 – Umbau des Rebhauses

1980 Der Rebberg wird mit 1800 RieslingXSylvaner-Setzlingen erweitert.
1981 Nachdem im Untergeschoss eine Wand herausgebrochen wurde, entstand ein neuer Aufenthaltsraum mit dem Eckbank aus der Trotte von Uster. Der morsche Dachstock fällt fleissigen Händen zum Opfer.“
1982 Der neue Dachstock wird gestellt, neue Wände werden aufgemauert. Die Zwischenwand ist entfernt. Der Neubau für die Zunftstube folgt.“
1984 Der Anbau ist fertiggestellt; aus dem ehemaligen Pförtnerhaus entstand unser Rebhüsli  zur Einweihung bereit. Die Zünfter leisteten Fronarbeit: 1981 340 Std., 1982 970 Std., 1983 759 Std., 1984 85 Stunden

2000 – Erweiterung des Rebberges mit Cabernet Dorsa

2005 1200 RieslingXSylvaner Rebstöcke werden ausgerissen und 1500 Cabernet Dorsa Setzlinge gepflanzt.
2009

1200 RieslingXSylvaner Rebstöcke werden ausgerissen und 1300 RieslingXSylvaner und 200  Cabernet Dorsa  Setzlinge gepflanzt.

2012

1200 RieslingXSylvaner Rebstöcke werden ausgerissen und 400 RieslingXSylvaner  und 1100 Cabernet Dorsa Setzlinge geplanzt.